21. Juni 2022

Der Computer ist dem Menschen in vielen Bereichen überlegen. Doch in welchem Entwicklungsstadium der KI befinden wir uns gerade? Und: Besteht Grund zur Sorge? Antworten auf diese Fragen gab die Führungsspitze von IBM Österreich am Campus Eisenstadt.

v.l.n.r.: Igor Ivkić, Nico Einsidler, Marco Porak, Rudolf Pailer und Olaf Hahn

Als am 11. Mai 1997 der Schachcomputer „Deep Blue“ Garri Kasparow besiegte, war eingetreten, was viele schon befürchtet hatten: Die maschinelle Rechenleistung war selbst für einen Weltmeister - zumindest auf dem Schachbrett - nicht zu bezwingen. 

Für die Entwickler von Systemen Künstlicher Intelligenz, kurz KI genannt, war dies ein Meilenstein. Heutzutage sind Computer von Schachgroßmeistern nicht mehr zu besiegen. Aber auch in anderen Bereichen zeigte sich die rasante Entwicklung der Maschine und gipfelte, nach dem Sieg des IBM Systems „Watson“ im Quizduell „Jeopardy“ 2011, im Gewinn eines Debattier-Wettbewerb am 18.06.2018. Project Debater konnte es bei einem Presse-Event mit zwei professionelle Debattierern aufnehmen und stach seine menschlichen Kontrahenten in einigen Belangen aus.

Wo wird diese Reise hinführen? Und wird es einen Endkampf zwischen Menschheit und Maschine, wie im viel zitierten Film „2001: A Space Odyssey“ von Stanley Kubrick dargestellt, geben? Zur Beantwortung dieser Fragen hat der Studiengangsleiter des Masterstudiengangs Cloud Computing Engineering der FH Burgenland, Igor Ivkić, die Führungsspitze von IBM Österreich an die FH Burgenland geladen, die ihre Sicht der Dinge vor einem zahlreichen Publikum präsentieren konnte.

Der Mensch trifft die Entscheidungen

Eines gleich vorweg: Wir befinden uns (noch) sehr weit weg von einer dystopisch gezeichneten Zukunft, in der allmächtige Maschinen das Sagen haben. Wie oben geschildert, ist die technische Entwicklung beeindruckend und Computeranwendungen sind ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens, doch befinden wir uns gerade erst am Anfang, wenn es um sogenannte „Starke KI – Systeme" geht. In den meisten Anwendungsgebieten haben wir es mit „Schwachen KI -Systemen“ zu tun, jedoch sollten wir uns vom Namen nicht täuschen lassen. Diese können nämlich kognitive Fähigkeiten, die einst nur dem Menschen zugeordnet wurden, in Bruchteilen einer Sekunde durchführen. Sie erkennen Bilder oder wandeln Sprache in Text um. Diese Funktionen sind es auch, die es beispielweise der Medizin ermöglichen, in einer Notsituation rasch die richtigen Entscheidungen zu treffen, da eine menschliche Auswertung einer Patientenakte oft zu lange dauern würde. Wir sollten die KI deshalb als nützlichen Verbündeten sehen und weniger als Bedrohung. Die heutigen KI-Systeme können große Datenmengen sehr schnell auswerten und dem Menschen in kompakter Form darstellen. Eine Entscheidung auf Basis dieser Datenauswertung sollte jedoch immer ein Mensch treffen. Die KI selbst kann nur mögliche Wege vorschlagen, aber entscheidet nicht eigenständig.

Der Weg zur Quantenüberlegenheit

Einen stetig ansteigenden Fortschritt gibt es auch im Bereich des Quantum Computing. „Eagle“, so nennt sich der neuartige Quantenprozessor von IBM, soll deutlich leistungsfähiger als bisherige Systeme sein und den Weg zur Quantenüberlegenheit einläuten. Anders als normale Computer, die mit Bits, also mit „Eins“ und „Null“ arbeiten, funktionieren Quantencomputer mit Qubits und können neben „Eins“ und „Null“ theoretisch unendliche Zustände dazwischen darstellen – und das gleichzeitig. IBM hat hierfür eine Roadmap erstellt, welche für das kommende Jahr einen Quantencomputer mit 1.121 Qubits in Aussicht stellt. Die damit verbundenen Rechenleistungen sollen laut den Expert*innen die nächste industrielle Revolution einläuten.

Mit großer Macht, geht auch große Verantwortung einher. Ein Spruch, dessen man sich bei IBM durchaus bewusst ist. Auch am Ende des 2 ½ stündigen Vortrags am Campus Eisenstadt der FH Burgenland galt es, die sehr kritischen Fragen der Zuhörer*innen zu beantworten. Vor allem der ethische Zugang zu besagter Technologie führte zu einer langen Debatte und, auch wenn die positiven Aspekte des technischen Fortschritts überwogen, so ist man sich dennoch im Klaren, dass es im Zweifelsfall nicht viel brauchen würde, um deren Nutzen in einen Albtraum für eine Gesellschaft umzukehren. Dass dies an manchen Orten der Welt bereits geschehen ist, sollte uns allen zu denken geben.

Jedenfalls kann das Kamingespräche Event an der FH Burgenland als ein voller Erfolg bezeichnet werden und es werden schon Pläne geschmiedet, um dieses Ereignis gemeinsam mit IBM und neuen spannenden Zukunftsthemen zu wiederholen.

Wer in diesem Bereich aktiv mitgestalten möchte, wird im Studiengang CCE optimal ausgebildet. Eine Anmeldung für einen Studienstart im Herbst ist noch möglich.