14. Februar 2022

Strategie ist ein wichtiger Wegweiser für die Gleichstellungszukunft des Burgenlandes.

FH Burgenland Geschäftsführer Georg Pehm, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf und Gender- und Diversitätsforscherin Elke Szalai von der FH Burgenland

Die ineinandergreifenden Zahnräder verdeutlichen, dass sich in vielen Bereichen etwas ändert, wenn an einem Rädchen gedreht wird.

Vor elf Monaten wurde der Startschuss zur ersten burgenländischen Frauenstrategie mit dem Namen „GLEICH*in die Zukunft“ gegeben, die ein Wegweiser in die Gleichstellungszukunft des Burgenlandes sein wird. „Ziel dieser Strategie war es, Chancen aufzuzeigen, wie wir es im Burgenland schaffen können, gleiche Chancen für Frauen und Mädchen zu schaffen“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf, die heute, 14. Feber 2022, das Ergebnis gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Fachhochschule Burgenland Georg Pehm und der Projektleiterin Elke Szalai von der FH-Burgenland präsentierte.  „Die Präsentation markiert einerseits den Endpunkt der Erarbeitung der Strategie, und anderseits befinden wir uns heute am Start für die Umsetzung der formulierten Maßnahmen“, erklärte Eisenkopf.

Das große 100 Jahre-Jubiläumsjahr des Burgenlandes wurde gewählt, um mit der Ausarbeitung der Frauenstrategie zu beginnen. „2021 sollte nicht nur genutzt werden, um in die Vergangenheit zu blicken, sondern vor allem auch die Weichen für die Zukunft zu stellen. Im Burgenland sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es essentiell erscheint, die Lebensrealitäten, Themen und Anliegen von Frauen und Mädchen wieder mehr vor den Vorhang zu holen und notwendige Schritte für die Zukunft einzuleiten. Und genau das wollen wir mit der ersten burgenländischen Frauenstrategie tun. Wir schenken dem Frau sein im Burgenland mehr Bedeutung“, sagte Eisenkopf.

FH Burgenland, Steering Board und Online-Befragung

Von Beginn an eingebunden in der Ausarbeitung der Frauenstrategie war die Fachhochschule Burgenland. Zusätzlich wurde die Strategieentwicklung von einem breit aufgestellten „Steering Board“ mitgetragen, welches das Projekt während der gesamten Dauer begleitete und zusätzliche Inputs lieferte. Diesem Steering Board gehörten Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen wie Wirtschaft, ArbeiternehmerInnenvertretung, Frauen- und Männerberatung, Zivilgesellschaft, Verwaltung oder auch Bildung und Kunst an. Insgesamt vier Mal ist das Steering Board im Laufe der Strategieentwicklung zusammengetroffen und hat die einzelnen Schritte, verschiedenen Inhalte und die konkreten Maßnahmen diskutiert.

Darüber hinaus hatten alle BurgenländerInnen die Möglichkeit, Beiträge und Ideen abzugeben: Im Sommer 2021 wurde ein Infoschreiben an alle burgenländischen Haushalte, mit dem Aufruf sich an unserer Online-Befragung zu Frauenstrategie zu beteiligen, verschickt. „Mit diesem Fragebogen wollten wir den verschiedenen Lebensrealitäten auf den Grund gehen. Wir wollten herausfinden, welche Themen die Burgenländerinnen und Burgenländer bewegen und in welchen Bereichen sie sich mehr Chancen und Unterstützung erwarten“, erklärte Eisenkopf. Die Beteiligung an dieser Befragung war für die Organisatoren mehr als positiv: Denn über 1.600 Burgenländerinnen und Burgenländer (zwölf Prozent waren Männer!) haben den Fragebogen Online ausgefüllt und damit ihr Wissen, ihre Meinungen und Einstellungen für die Strategieausarbeitung sichtbar gemacht. „Das hohe Engagement der Burgenländerinnen und Burgenländer zeigte das große Interesse für das Thema“, unterstrich Eisenkopf.

Durch die Einbeziehung der gesamten burgenländischen Bevölkerung haben wir einen offenen Diskurs ermöglicht, dessen Ergebnisse die Basis für die weiteren thematischen Schwerpunkte in der Strategieentwicklung waren.

Astrid EisenkopfLandeshauptmann-Stellvertreterin

Die sieben Handlungsfelder

  • Arbeitsmarkt, Erwerbsarbeit und Vereinbarkeit
  • Einkommen und Frauenarmut
  • Bildung
  • Stereotype
  • Partizipation/Teilhabe
  • Gewaltprävention
  • Frauengesundheit

Im Arbeitsprozess wurde ersichtlich, dass die einzelnen Themenfelder nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können, sondern miteinander in Verbindung stehen. Als Symbol für die Strategie wurden deshalb Zahnräder gewählt, die verdeutlichen, dass sich in vielen Bereichen etwas ändert, wenn an einem Rädchen gedreht wird.

„In jedem der sieben Handlungsfelder haben wir Einzelmaßnahmen formuliert, die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen entgegenwirken sollen. Diese reichen von Bewusstseinsbildung und Sensibilisierungsmaßnahmen, über die Schaffung struktureller Rahmenbedingungen, bis hin zum Wissensaufbau und zu konkreten Finanzierungsmaßnahmen von einzelnen Projekten und Initiativen“, sagte die Landeshauptmann-Stellvertreterin.

Konkrete Vorhaben der Frauenstrategie

  • Kampagne zum Thema Väterkarenz und Unterstützung beim Wiedereinstieg nach Eltern- oder Pflegekarenz. „Every day people“ aus dem Burgenland als Vorbilder
  • Projekte und Sensibilisierungskampagnen rund um das Thema „Frauen und Finanzen“ – Stärkung der Finanzkompetenzen von Frauen, Infos zu den langfristigen Auswirkungen von Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit
  • Ausbau der Landesinitiativen im MINT-Bereich (Ausbau der Mach MI(N)T-Webseite, Mach MI(N)T-Workshops, Forscherinnentag)
  • Unterstützungsmaßnahmen von Frauen und Mädchen beim Berufseinstieg und -umstieg (im Rahmen von zahlreichen arbeitsmarktpolitischen Projekten)
  • Verstärkt erfolgreiche Frauen vor den Vorhang holen: bereits bestehende Formate dazu nutzen: Rosa-Jochmann-Preis, Gender-Stipendium, aber auch neue Formate kreieren.

„Ein wichtiges Thema, das uns mit auf den Weg gegeben wurde, und um das wir uns nun verstärkt bemühen werden, ist die Tatsache, dass es im Burgenland bereits sehr viele gute Angebote für Frauen in den verschiedensten Bereichen gibt, viel zu wenig aber darüber bekannt ist“, nannte Eisenkopf ein Beispiel. „Wir werden die nächsten Wochen und Monate dazu nutzen, bereits bestehende Angebote, wie z.B. die FEMININA-Informationsstellen für Frauengesundheit im Burgenland, noch besser zu bewerben.“

Zentrale Handlungsfelder für die kommenden Jahre sind, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin, die Themen Rollenstereotypen und Erwerbsarbeit, weil diese zwei Punkte maßgeblich die Entscheidungsfreiheit für einen bestimmten Lebensweg und den Zugang zu vielen anderen Themenbereichen bestimmen. „Im Burgenland verfolgen wir das Ziel, die Gleichstellung von Mann und Frau selbstverständlich zu leben. So steht es auch im Regierungsprogramm. Wir müssen dafür Rahmenbedingungen schaffen“, erklärte Eisenkopf. Als Beispiel, das eine große Auswirkung auf Frauen hat, nannte die Landeshauptmann-Stellvertreterin die Einführung des Mindestlohns von 1.700 Euro netto bei Vollbeschäftigung, das Land Burgenland habe damit eine Vorreiterrolle eingenommen. „Vor allem Frauen arbeiten häufig in Niedriglohnbranchen und würden von einem flächendeckenden Mindestlohn profitieren. Damit Frauen selbstbestimmt und unabhängig leben können, ist ein existenzsicherndes Einkommen notwendig“, so Eisenkopf.

Fahrplan für die nächsten Jahre

„Wir sind uns dessen bewusst, dass es nicht reicht, wenn wir nur von politischer Seite an bestimmten Rädchen drehen, vielmehr sind wir bei der Umsetzung der Strategie auf ein breites Netzwerk angewiesen“, sagte Eisenkopf. Als Netzwerkpartner sollen die Mitglieder des Steering Boards fungieren, die schon in die Entwicklung und der Maßnahmen der Frauenstrategie eingebunden waren.

„Die Frauenstrategie ist unser Fahrplan für die nächsten Jahre. Die Maßnahmen, die wir setzen werden, sind aus der Bevölkerung gekommen. Ich weiß, dass noch ein langer und vermutlich auch steiniger Weg vor uns liegt, bin mir aber sicher, dass uns mit dieser Strategie ein wichtiger Wegweiser in die Gleichstellungszukunft des Burgenlandes gelungen ist“, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin abschließend.

Entwicklung mit der Fachhochschule Burgenland

Elke Szalai, Gender- und Diversitätsforscherin an der FH Burgenland, war an der FH Burgenland federführend mit der Ausarbeitung der Frauenstrategie beschäftigt, zusätzlich waren drei weitere FH-Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiterinnen der Forschung Burgenland in das Projekt involviert. Sie brachten für die Frauenstrategie aktuelle Forschungsergebnisse mit den konkreten Geschlechterverhältnissen im Burgenland sowie den Bedarfen und Bedürfnissen der BurgenländerInnen in Verbindung. „Das ist uns im Forschungsprozess deshalb gelungen, weil wir in mehreren Erhebungs- und Beteiligungsschleifen Wissen eingeholt haben und die Ergebnisse laufend in Diskussionen einflossen.“ Eine umfangreiche Onlineerhebung brachte neben quantitativen Zahlen auch viele offene Antworten und damit qualitative Fakten. Zusätzlich zum Steering Board und der Online-Befragung gab es auch fünf Workshops mit Burgenländerinnen und Burgenländern zu den sieben Themenfeldern der Frauenstrategie. Es ist damit gelungen, die entwickelten Maßnahmen nicht nur theoretisch abzuleiten, sondern alltagsnah entlang den Bedürfnissen der Befragten zu setzen, erklärte Szalai. Konkrete Maßnahmen, die aus der Frauenstrategie resultieren sind beispielsweise die Sensibilisierung von jugendlichen zum Thema Gleichstellung, Wiedereinsteigerinnenberatung oder neue Modelle für Homeoffice. Ein großer Wunsch, der häufig in der Strategieausarbeitung artikuliert wurde, sei die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagte Szalai. Generell wurden konkrete Anliegen, die im Ausarbeitungsprozess angeführt wurden, in die neue Frauenstrategie aufgenommen.

Wir sehen uns den Grundsätzen von Gleichbehandlung und Diversität klar verpflichtet und versuchen, sie auch Tag für Tag und immer besser an der Hochschule zu verwirklichen.

Georg PehmGeschäftsführer der FH Burgenland

Für die FH Burgenland stellen Gleichbehandlung und Diversität zentrale Themen dar, die von der Hochschule auch in allen strategischen Dokumenten fest verankert wurden. Man achte insbesondere darauf, Gleichbehandlung in der Lehre als Querschnittsthema in allen Studiengängen zu integrieren und als Organisation permanent weiterzuentwickeln. „Wir sehen darin für uns auch eine Vorbildfunktion“, sagt Pehm. An der FH Burgenland sind 56 Prozent aller StudentInnen Frauen, 66 Prozent aller MitarbeiterInnen sowie 50 Prozent in den Geschäftsführungen  und dem Rektorat. 46 % in den Studien-, Lehrgangs- und Centerleitungen sowie 57% der AbteilungsleiterInnen. „Die Geleichstellung von Frau und Mann habe in der Ausrichtung der Fachhochschule einen zentralen Stellenwert“, erklärte Pehm. 

 

Rückfragehinweise:
Mag.a Christiane Staab
Marketing & Kommunikation
Fachhochschule Burgenland GmbH
Tel: +43 (0)5 7705 3537
E-Mail:christiane.staab[at]fh-burgenland.at