Regio Media 2020 – virtuell vernetzt

  • Online trafen sich namhafte Medienvertreterinnen und -vertreter zum zweiten Tag des Regionaljournalismus in Österreich.
  • Diskutiert wurde die Bedeutung regionaler Medien – vor allem in Krisenzeiten.
  • Zwei exklusive Studien lieferten spannende Ergebnisse zu Publikumsmeinung und Ausbildungslandschaft in Österreich.

Eisenstadt, 19.11.2020 – Das Experiment ist geglückt. Coronabedingt trafen sich insgesamt mehr als 100 medieninteressierte Zuhörerinnen und Zuhörer mit insgesamt 21 namhaften Speakern aus der Medienbranche im virtuellen Konferenzraum zur Regio Media 2020. Zugeschaltet waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am zweiten Tag des in Österreich aktuell geltenden Lockdowns aus dem ganzen Land sowie darüber hinaus aus Deutschland und Spanien, um die Relevanz von Regionalmedien zu erörtern.


Premiere aus dem neuen Mediencenter der FH Burgenland
Für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte ein engagiertes Veranstaltungsteam im Hintergrund. Das ideale Setting für die online Konferenz bot das an der FH Burgenland am Studienstandort Eisenstadt neu eingerichtete Mediencenter. „Schon im April haben wir entschieden, ein Mediencenter für Gelegenheiten wie diese einzurichten“, erklärt FH Burgenland Geschäftsführer Georg Pehm. Greenwall, Studiolicht, Kameras und eine Audiokabine sorgen ab sofort für noch mehr Qualität und Praxisbezug in den hauseigenen Medienstudiengängen und für das professionelle Setting von Events wie der Regio Media. 2020 führte Puls 4 Moderatorin Alexandra Maritza Wachter das Publikum durch den zweiten Tag des Regionaljournalismus in Österreich – zugeschaltet aus ihrem Homeoffice, während ihre Tochter im Nebenraum ihre Hausaufgaben fürs Homeschooling absolvierte.

Teja Adams mit 13 Gedanken zum Crossmedialen Storytelling in Regionalmedien
Die Keynote kam von Teja Adams, Social-Media-Redakteur und Begründer zahlreicher Innovationsprojekte bei der ARD, aus Hamburg. Er teilte 13 Gedanken zum Thema Crossmediales Storytelling in Regionalmedien mit dem interessierten Publikum. „Regional ist die Zukunft“ zählte ebenso dazu wie „Man muss den Content dahin bringen, wo die Nutzer*innen sind“. Adams‘ Überzeugung ist es, dass das Management die Richtung vorgeben muss. Genauso sei es wichtig, die richtigen Menschen zusammenzubringen. Arbeitsplätze müssten für eine digitale Zukunft neu geschaffen werden. Fakt sei, Experten müssen her, Social-Media sei längst kein Nebenbei-Projekt mehr. Sein Tipp: „Für etwas Neues, muss man etwas Altes auch mal weglassen.“ Das Mediennutzungsverhalten hätte sich stark geändert. Das Credo laute: Experimentiert. Probiert aus. Verwerft. Lernt. Macht neu. „Nur so werden wir wissen, wie etwas Neues funktionieren kann.“

Im ersten Panel diskutierte er seine Ideen anschließend mit Horizont Chefredakteur Jürgen Hofer, der langjährigen ZIB-Chronik-Chefin des ORF, Brigitte Handlos, sowie Markus Stefanitsch, Chefredakteur und Geschäftsführer der BVZ. Blitzlichter aus dieser Runde:

Markus Stefanitsch, BVZ: „Unsere strategische Ausrichtung geht Richtung digital. Dennoch ist die starke Printausgabe nach wie vor unsere Cash Cow. Es geht um ein Zusammenspiel aller Kanäle, die man anbietet. Wir haben im Internet eine riesige Reichweite, die wir bisher verschenken. Ich bin mir aber sicher, dass Menschen auch online für Regionalmedien bezahlen werden. Immerhin erscheinen an die 5.000 regionale Artikel pro Jahr in der BVZ. Das Bewegtbild stellt außerdem eine große Möglichkeit für den Regionaljournalismus dar. Hier können wir durch Nähe und Aktualität punkten und Kanäle dadurch noch breiter aufstellen.“

Brigitte Handlos, Everything Media/ORF: „Kundinnen und Kunden haben sich in den letzten Jahren stark verändert, während sich in den Redaktionen nur wenig verändert hat. Die Regionalmedien haben eine große Zukunft, aber in der Produktion einiges verpasst. Apps, Podcasts aber auch Product Journalismus – die Regionalmedien könnten vieles bündeln. Wir können uns hier Beispiele aus den internationalen Medien holen.“

Teja Adams, ARD: „Social Media Player haben hohes Interesse daran, dass Nutzer lange auf ihrer Plattform bleiben und nicht auf die Seite der Medien wechseln. Ohne Investment geht es also nicht. Medien sollten bedenken, dass Social Media Player nicht die verlässlichsten Partner sind! Wichtig ist, eigene Gefäße zu haben, wo wir bestimmen, wie wir was bringen.“

Exklusive Studie zu Regionalmedien
Im Zuge der Tagung wurde eine neue Studie der FH Burgenland zu Regionalmedien präsentiert: „Regionalmedien in Österreich aus der Publikumsperspektive“. 461 Personen wurden mittels Onlinebefragung zu ihrem Konsum von Regionalmedien befragt – die Studie gibt interessante Einblicke in die Mediennutzung, so Michael Roither, Studiengangsleiter und Vizerektor für Internationales, der die Studie unter der Mitarbeit von den Studierenden Nicole Erhardt, Julia Fischer, Vanessa Zethner, Lisa Haberler, Linda Jurcizak und David Kastl exklusiv und erstmals präsentierte.

„Regionalmedien werden sowohl in TV, Radio, Online, aber auch als Printmedium stark konsumiert“, so Roither. Fazit: Alle Medienkanäle werden im Regionaljournalismus stark genutzt. Mehr als 70% der Befragten nutzen die Bundesländer Ausgaben von orf.at. 65% konsumieren die Bundesländer Sendungen des ORF. Im Printbereich liegen die Bezirksblätter mit 60% vor der BVZ und NÖN (gemeinsam 50%), 60% der Befragten hören die Bundesländer-Radios des ORF. „Die meisten nutzen Regionalmedien nach wie vor in Print“, erklärt Roither, „allerdings mit weiter steigendem Digital-Anteil.“ Redaktionell gehen die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten in Richtung Veranstaltungen, Umwelt, Gastro und Wissenschaft. Sein Learning: „Das digitale Potenzial der Regionalmedien scheint noch nicht ausgeschöpft. Klassische Kanäle bleiben, sollten aber massiv um digitale Formate ausgebaut werden.“ Wichtig: Auch die Gruppe der Zahlungsbereiten für digitale regionaljournalistische Inhalte ist noch nicht ausgeschöpft. Die Bereitstellung von Inhalten über Soziale Medien bleibt für Regionalredaktionen nach wie vor wichtig – und das täglich.

Panel zur Zukunft und Qualität des Regionaljournalismus
Sind Regionalmedien besser auf die Zukunft vorbereitet als die großen, national ausgerichteten Medienhäuser? Diskutiert wurde diese Frage von Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen, Torsten Beeck (Facebook), Alois Vahrner (Tiroler Tageszeitung) und Ralf Hillebrand (Salzburger Nachrichten). Blitzlichter aus dieser Runde:

Gerald Grünberger, VÖZ: „Das wichtigste Asset von Regionalmedien sind die Nachrichten aus der unmittelbaren Umgebung. Das ist das Kerngeschäft und in Zeiten der Digitalisierung und Schnelllebigkeit durchaus ein USP und ein Vorteil der Regionalmedien gegenüber den nationalen Medien. Die 10. Meldung darüber, wie Trump die Wahl nicht anerkennt, kannst du auf allen Medien lesen – aber etwas aus der Gemeinde oder aus dem Land werden Sie sonst nirgends lesen. Das betrifft den unmittelbaren Lebensbereich der Menschen. Ein Asset, auf dem man auch die Vermarktung aufbauen kann.“

Alois Vahrner, TT: „Starke Regionalzeitungen wie die Tiroler Tageszeitung decken alle Bereiche ab. Mit sehr viel exklusivem Inhalt - mindestens 75% aus Tirol exklusiv, im Lokalteil fast ausschließlich exklusiv. Wir erscheinen täglich. Darauf setzen wir und das ist die größte Versicherung für die Zukunft. Unsere Redaktionen garantieren für Glaubwürdigkeit. Wir sind selbst verantwortlich dafür, ob es uns in Zukunft gibt.“

Torsten Beeck, Facebook: „Facebook lebt von dem, was die Nutzer auf der Plattform machen und was sie interessiert. Und sie interessieren sich dafür, was ihre Freunde und Familien machen und was in der direkten Umgebung passiert. Definitiv sind lokale Nachrichten also wahnsinnig wichtig für die Plattform. Sie sind relevant für die Mikro-Communities, weil ein direkter Impact auf das eigene Leben gegeben ist. Lokalmedien bieten genau diese Infos aus der Umgebung.“

Studie zur Journalistenausbildung in Österreich
Susanne Kirchhoff von der Universität Salzburg präsentierte ihre Studie zu „Journalistenausbildung in Österreich im Kontext einer veränderten Berufswelt“. Neben den außeruniversitären Einrichtungen und in-house Angeboten der Medienhäuser untersuchte sie auch Studienrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen. In den letzten 20 Jahren sei es hier zu einer Regionalisierung der Weiterbildung gekommen, so Kirchhoff. „Angebote gibt es mittlerweile in allen Bundesländern.“ Deutlich sichtbar werde laut der Expertin auch, dass „wir die Digitalisierung in der Ausbildung in keiner Weise verschlafen haben.“ Viele Studien sind sehr interdisziplinär ausgerichtet. Ganz vorne stehe das Produzieren für Video und online/Social Media. Inhalte wie Medienmanagement, Medienwandel, Datenjournalismus und IT seien unter den Top 20 Themen zu finden. Kerninhalte der Ausbildung drehen sich auch in Zukunft um die beiden Achsen Handwerkszeug und Haltung. Es gelte nach wie vor ethischen Standards sowie Qualitätsstandards gerecht zu werden.

Dies diskutierte daraufhin Nikolaus Koller vom Kuratorium für Journalistenausbildung mit Ronald Zecha von der Tiroler Journalismusakademie. Blitzlichter aus dieser Runde:

Nikolaus Koller, KfJ: „Regionale Ausbildung- und weiterbildung bietet die Chance, die komplexe Welt ins Kleine zu holen – dazu braucht man Alleskönner, die wissen, wie sie ihre Klaviatur nutzen, um die Menschen in ihrer Region zu erreichen. Regionalität spielt im Kuratorium für Journalistenausbildung eine goße Rolle.“

Ronald Zecha, Tiroler Journalismusakademie: „Guten Journalismus zu lernen ist wie ein Musikinstrument zu lernen. Es geht um das begleitete Tun, das mit Feedback tun. Journalismus hat viel mit persönlichen Komponenten zu tun, die unterschiedliche Gruppen ansprechen.“

Regionalmedien und Politik – ein bewegtes Wechselspiel
Unter der Moderation von Anna Wallner (Die Presse) diskutierten Maria Jelenko (Chefredakteurin der Regionalmedien Austria), Daniel Lohninger (Chefredakteur der NÖN) und Helmut Bieler (ehemaliger Bgld. Landesrat) den heiklen Balanceakt zwischen Distanz und Nähe – Regionalmedien und Politik. Blitzlichter aus dieser Runde.

Helmut Bieler, Landesrat a.D.: „Die Beziehung zwischen Politik und Regionalmedien beschreibt eine wechselseitige Notwendigkeit. Ein gutes Netzwerk war in meinem 28 Jahren in der Politik überaus wichtig, um Themen medial gut positionieren zu können.“

Daniel Lohninger, NÖN: „Über die NÖN Akademie bieten wir 30-50 Seminare pro Jahr kostenlos für unsere Redakteurinnen und Redakteure an. Es braucht selbstbewusste und gut ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten.“

Maria Jelenko, RMA: „Die RMA haben schon seit vielen Jahren die RMA Akademie mit dem Versuch, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an uns zu binden. Im Sinne der drohenden „Verhaberung“ hat die Fluktuation in den Lokalredaktionen aber vielleicht sogar Vorteile.“

Ist die Coronakrise eine Medienkrise?
Unter dem Titel „Was war, was ist, was bleibt – ist die Coronakrise eine Medienkrise?“ sprach Regio-Media-Initiator Michael Roither von der FH Burgenland abschließend mit Antonia Gössinger (Chefredakteurin der Kleinen Zeitung Kärnten), Andy Kaltenbrunner (Medienhaus Wien), Walter Schneeberger (Chefredakteur des ORF Burgenland) und Peter Plaikner (plaiknerpublic). Blitzlichter aus dieser Runde:

Walter Schneeberger, ORF: „Der ORF hat die Coronazeit unter verschärften Bedingungen erlebt. Wir hatten Kolleginnen und Kollegen im Isolationsbetrieb, die haben für zwei Wochen im Studio gelebt. Viel spielt sich seit März von zu Hause ab. Das ist jetzt Standard. Inhaltich war mit Sicherheit der ORF maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Bild von der Pandemie entstanden ist, das wir momentan haben. Erst in einer historischen Betrachtung wird sich weisen, ob das gerechtfertigt war. Journalistisch haben wir im Regionalbereich sicher von der Pandemie profitiert. Ersten, weil echter Journalismus wieder mehr gefragt ist als vorher. Und zweitens haben wir neue Produktionsmethoden in unser Repertoire aufgenommen.“

Antonia Gössinger, Kleine Zeitung: „Der Werbemarkt ist zu Beginn der Pandemie voll eingebrochen. Aber Abos - digital und print – sind gestiegen. Es gibt also das Bedürfnis, zu einer Marke zu greifen, der man vertraut. Jetzt im zweiten Lockdown ist das Interesse massiv abgeflaut. Nicht mehr jede Coronageschichte geht durch die Decke.“

Andy Kaltenbrunner, Medienhaus Wien: „Gallup und das Medienhaus Wien haben heute den aktuellen Corona Barometer publiziert. Demnach fühlt sich ein guter Teil der Menschen zunehmend durch die Berichterstattung über die Pandemie belastet und überlastet. Viele meiden Informationen über Corona. Das ist etwas, das wir jetzt erstmals sehen. Diese Abkehr, sich dem Thema Corona medial auszusetzen, liegt einerseits an der allgemeinen Überbelastung und andererseits an einer gewissen Orientierungslosigkeit. Große Skepsis besteht mittlerweile gegenüber der journalistischen Informationsleistung. Fakt ist: Wenn man es schafft, Orientierung zu geben, dann hat man sein Publikum.“

Peter Plaikner, plaiknerpublic: „Community Building ist eine vielversprechende Möglichkeit für regionale Medien. Das ist für lokale Redaktionen besser möglich. Grundlage ist dabei Vertrauen. Wichtig ist, so transparent wie möglich zu arbeiten, Fehler offensiv einzugestehen. Eine gute Basis dafür liefern drei unterschätzte Ressortbereiche, deren Wichtigkeit jetzt besser sichtbar geworden ist: Wissenschaftsjournalismus – wir haben gesehen, was es ausmacht, hier Kundige im Team zu haben; Datenjournalisms und drittens brauchen wir auch mehr Medienjournalisten. Die Trends der Zukunft: regional, hyperlokal. Es wird Platz geben für Qualität. Es wird Platz geben für Krawall. Der Grat dazwischen wird schmäler.“


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Kontakt für potenzielle Partner:

Prof. (FH) Mag. Dr. Michael Roither MBA
Organisator „Regio Media“
Leiter Masterstudiengang „Digitale Medien und Kommunikation“

Campus 1, A-7000 Eisenstadt
Tel.: +43 5 7705-4335
E-Mail: michael.roither[at]fh-burgenland.at
Twitter: https://twitter.com/michael_roither
LinkedIn: https://at.linkedin.com/in/roither
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