13. Jänner 2021
Christiane Staab
Von: Christiane Staab

Collage mit Bildern von Forscherinnen und Forschern beim Forschen

Forschung beruflich zu betreiben, muss man sich erst einmal zutrauen. Dazu gehört neben einem konsequenten Blick über (mindestens) den eigenen Tellerrand genauso ein kollegiales und inspirierendes Umfeld.

Fit und flexibel muss man sein

„MINT-Fächer sind quasi eine Grundvoraussetzung, um im anwendungsbezogenen Bereich in der Forschung Fuß fassen zu können“, erklärt Marcus Keding, Geschäftsführer der Forschung Burgenland. In die Zukunft blickt er – trotz Corona – positiv.

Firmen als Auftraggeber wird es nach wie vor geben. Hier können wir als Forschungsunternehmen einen wichtigen Beitrag zu Produktentwicklungen und Problemlösungen leisten.

Marcus KedingGeschäftsführer Forschung Burgenland

Was junge Forscher*innen mitbringen müssen?„Fit und flexibel muss man sein, schließlich ändert sich alle zwei bis drei Jahre alles. Von den genutzten Technologien über Förderstrukturen und vieles mehr“, meint Keding.

Für Silvia Ettl-Huber, Vizerektorin für Forschung und Innovation an der FH Burgenland zählt ein gutes kollegiales Umfeld für den angstfreien Austausch über Forschungsergebnisse zur Grundnahrung eines Forschenden. „Ein gutes kollegiales Umfeld auch im Sinne dessen, dass die eigene Leistung auch sichtbar gemacht werden darf“, betont sie. Auch von inspirierenden Vorgesetzten können junge Forschende lernen - fachlich genauso wie im Management. Von beiden Experten gibt es trotz aller Herausforderungen eine klare Empfehlung für die Karriere in der Forschung. 

Es ist eine vielseitige Tätigkeit im Sinne dessen, dass neben Denk- und Messtätigkeiten auch Management und Praxiskontakt geboten aber auch erwartet werden.

Silvia Ettl-HuberVizerektorin für Forschung und Innovation

Let’s get real: so geht Forschen

Einen Alltag für Forschende gibt es schlicht nicht. Würde man aber von ihm erzählen, sähe das etwa so aus: die/der junge Forscher*in entwickelt eine Idee, meist gemeinsam mit Kolleg*innen. Aus der Idee wird ein Projekt. Viel Energie fließt in einen Projektantrag. Dieser wird (meist) abgelehnt. Weiter geht’s. :)

„Wir an der Forschung Burgenland haben eine enorm gute Quote, was Forschungsanträge betrifft“, erklärt uns Forschung Burgenland Geschäftsführer Marcus Keding. Nichtsdestotrotz wird aus mindestens drei von vier eingereichten Projekten nichts. Tha’s life. „Forscher*in sein ist anfangs frustrierend, aber man wird es gewohnt“, beruhigt Keding.

Kommt es auch vor, dass einen das Forschungsthema eigentlich gar nicht so brennend interessiert? „Die Freude am Thema kommt, wenn was draus wird.“ Wichtig für den Job seien vor allem Teamwork und Kreativität: „Bei uns im Sozialraum geht es manchmal zu wie in einem Kreativworkshop.“ Auch abstraktes Denken und viel Eigeninitiative werden von einem Forschenden erwartet. Der beste Einstieg? Am besten schon die Bachelor- oder Masterarbeit in einem Forschungsbereich schreiben.


Unsere Forscher*innen im Interview


Kann mich persönlich entfalten

Julia Stöller arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschung Burgenland, hauptsächlich in Gesundheitsförderungsprojekten. Aktuell bringt sie sich auch in das Forschungscenter Energy Transition ein und ist dort für Themenstellungen mit den Schwerpunkten Umwelt und Gesundheit zuständig.

Ab wann war dir klar, dass du in die Forschung gehen willst?

Julia Stöller: Ich hatte das Glück und die Chance bereits nach meinem Bachelorstudium als wissenschaftliche Mitarbeiterin durchzustarten.

Was war rückblickend einer der wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg?

Julia Stöller: Schön ist für mich die Erkenntnis, etwas bewirken zu können. Besonders wertvoll sind für mich Tätigkeiten, in denen die breite Bevölkerung oder auch Bevölkerungsgruppen in die Forschung miteingebunden werden. So hat man als Forscherin die Möglichkeit die Stimmen der Menschen abzufragen und weiterzugeben.

Was begeistert dich besonders?

Julia Stöller: Mich begeistert besonders die Möglichkeit der persönlichen Entfaltung in verschiedenen Forschungsprojekten sowie die Zusammenarbeit mit Forscher*innen aus unterschiedlichen Bereichen.

Wie gehst du mit Frustration um, wenn ein Projekt z.B. nicht genommen wird?

Julia Stöller: Besonders hilfreich ist es mit Kolleg*innen darüber zu sprechen und sich gegenseitig aufzubauen. Vor allem zu Beginn der Forschungskarriere ist es schwierig, die oft geforderte Projektleitungserfahrung und Forschungskarriere vorzuweisen. Hier sind die verschiedenen Förderstellen unterschiedlich streng oder kulant.

Hast du eine Empfehlung für Studierende, die einen ähnlichen Berufswunsch haben?

Julia Stöller: Sollte man den Berufswunsch für sich entdeckt haben ist es besonders hilfreich, das eigene Können in wissenschaftlichen Arbeiten zu beweisen, sowie bei laufenden Forschungsprojekten bereits im Studium mitzuwirken. Hier bietet sich die Möglichkeit, in die Arbeit eines Forschers/einer Forscherin zu schnuppern und man lernt die potenziell zukünftige Arbeitskolleg*innen kennen.   

Im Sinne der Energiewende Gutes bewirken

Markus Puchegger leitet an der Forschung Burgenland die Research Area „Energy Transition“ und konzentriert sich in seinen Projekten auf technische, wirtschaftliche und soziale Innovationen für die Energiewende. Er studierte den Bachelor Energie- und Umweltmanagement sowie den Master Nachhaltige Energiesysteme an der FH Burgenland und ist derzeit noch als Doktorratsstudent an der TU Wien aktiv.

Ab wann war dir klar, dass du in die Forschung gehen willst?

Markus Puchegger: Ich durfte bereits während meines Studiums als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department Energie-Umweltmanagement in Forschungsprojekte hineinschnuppern und habe auch schon in der Projektakquise mitgewirkt. Als sich hier gleich entsprechend Spaß und Erfolg eingestellt hatten, war die Entscheidung gefallen.

Was war rückblickend einer der wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg?

Markus Puchegger: Es gab mehrere wichtige Meilensteine, neben den ersten Projekterfolgen ist aber sicherlich die Bildung der Forschungsgruppe im Bereich „Energy Transition“ hervorzuheben.

Was begeistert dich besonders?

Markus Puchegger: Eine Arbeit zu haben, in der man sich frei entfalten kann und im Sinne der Energiewende auch noch Gutes bewirkt.

Wie gehst du mit Frustration um, wenn ein Projekt z.B. nicht genommen wird?

Markus Puchegger: In der Wissenschaft ist es völlig normal, aus Kritik und Ablehnungen zu lernen. Das gilt sowohl für Publikationen als auch für Projektanträge. Da heißt es das Feedback aufzunehmen, die Ideen zu verbessern und es wieder zu versuchen.

Hast du eine Empfehlung für Studierende, die einen ähnlichen Berufswunsch haben?

Markus Puchegger: Trotz dem oftmals zitierten Bestreben, sich auf bestimmte Dinge zu spezialisieren, halte ich den Blick über den Tellerrand auf das große Ganze für essentiell. Das verstehen von Zusammenhängen über den eigenen Fachbereich hinaus wird dadurch enorm gesteigert, was wiederum zu neuen Ideen und Ansätzen führen wird.