24. Juni 2021
Christiane Staab
Von: Christiane Staab

Der Masterstudiengang Gebäudetechnik und Gebäudemanagement ist so etwas wie der Flagship-Studiengang der FH Burgenland. Es gibt ihn am Campus Pinkafeld schon sehr lange. Seit bald 30 Jahren wird hier Expertise aufgebaut und vor allem – vermittelt.

Was ich aus sieben Stunden Interviews mit Gebäudetechnikern gelernt habe

Ich gebe zu, anscheinend hatte ich Technikern gegenüber bisher gewisse Vorurteile. Schon in der Schulzeit waren Sprachen eher meins als die Mathematik, von Technik ganz zu schweigen. Für einen Blogpost zu unserem Masterstudiengang Gebäudetechnik und Gebäudemanagement durfte ich nun mit acht Top-Führungskräften der Gebäudetechnik-Branche sprechen und habe (mindestens) drei Dinge über Techniker gelernt:

  1. Sie sind weit eloquenter, als ich angenommen hatte. Viele meiner Interviewpartner haben mir druckreife Antworten gegeben.
  2. Sie haben ein ziemlich intensives Arbeitspensum (das hatte ich schon angenommen)
  3. Ihr Anspruch ist es, die Welt zu verbessern – das geht von einer Beschäftigung mit Behaglichkeit bis hin zu den ganz großen Themen wie etwa dem Entgegenwirken des Klimawandels.

Dank des großartigen Netzwerks von Studiengangsleiter Christian Heschl und seinem Team standen meine Interviewpartner gerne zu unserer Verfügung – herzlichen Dank an dieser Stelle für ihre Zeit, ihre Verbundenheit mit der FH Burgenland und ihr Engagement für eine bessere Welt.


Kaderschmiede für Gebäudetechnik

Wie gesagt: Der Masterstudiengang Gebäudetechnik und Gebäudemanagement ist so etwas wie der Flagship-Studiengang der FH Burgenland. Es gibt ihn am Campus Pinkafeld schon sehr lange. 

Das Studium ist dabei kein Spaziergang und verlangt den Studierenden Einiges ab. Umso größer ist der Zusammenhalt – und dieser reicht weit über das Studium hinaus.

Als Kaderschmiede für Gebäudetechnik ist Pinkafeld in ganz Österreich bekannt. Absolventinnen und Absolventen sind am Arbeitsmarkt gefragt. Unternehmen nutzen das Know-how aus dem Studiengang für ihre Innovationsprojekte.

Bei acht namhaften Führungskräften aus Österreich, die allesamt an der FH Burgenland studiert haben, habe ich nachgefragt: was die Faszination für Gebäudetechnik ausmacht, wie ihr eigener Weg verlaufen ist und warum Alumni der FH Burgenland so gefragt am Arbeitsmarkt sind.

Bei den feierlichen Graduierungsfeiern – den Sponsionen – an der FH Burgenland geloben die Absolventinnen und Absolventen ihrer Hochschule verbunden zu bleiben.

Diese Verbundenheit lebe ich nach wie vor.

Christoph UrschlerFH Lektor und Mitglied der Geschäftsführung der TBH Ingenieur GmbH

Vor 20 Jahren schloss er sein Studium für Gebäudetechnik und Gebäudemanagement in Pinkafeld ab und immer noch ist der Bereich für ihn nicht nur Beruf, sondern Berufung.

Freundschaften fürs Leben haben sich für ihn in der Studienzeit entwickelt. Außerdem verbinden ihn berufliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit den Studiengängen der FH. In enger Abstimmung mit Studiengangsleiter Christian Heschl plant die TBH Ingenieur GmbH, der Urschler im Team der Geschäftsführer angehört, aktuell ein neues Forschungslabor am FH Campus in Eisenstadt.

Das Unternehmen (TBH Ingenieur GmbH) beschäftigt sich mit Gebäude- und Energietechnik. „Wir berechnen Wärmebedarf, Kühllasten, wir schreiben Dinge aus, vertreten den Bauherrn – wir planen seine Technik und setzen uns stark für die Implementierung von erneuerbaren Energiesystemen ein. Unsere Kunden sind Wohnbauträger, Gewerbe, Industrie. Auch F&E Arbeit betreiben wir sehr intensiv – teilweise für die Kunden und für uns selbst, weil wir daraus Neuerungen und Innovation in unser Unternehmen einbringen möchten“, beschreibt Urschler.

Seine Affinität für die Technik entdeckte er schon in Teenagerjahren. „Technische Abläufe haben mich generell fasziniert.“ In der Studienwahl kam dann der Wunsch auf, etwas zu bewegen und sein Möglichstes zu tun, die Gesundheit des Planeten für Generationen zu erhalten. Sein Studium beschreibt er dabei als grundsolide Ausbildung in der Gebäudetechnik. 

Warum Absolventinnen und Absolventen in der Branche stark gebraucht werden, beschreibt er so:

Gefragt ist starkes Spezialistentum. Das wird durch das Studium optimal umgesetzt. Vor allem wird den Studierenden auch wichtiger Weitblick und Zusammenhang von Systemen vermittelt. Das Studium in Pinkafeld zählt definitiv zu den besten Ausbildungen, die man in der Zukunft weiterhin massiv brauchen wird.

Ich fühle mich auch in meinen Lehrveranstaltungen der hohen Qualität der FH verpflichtet.

Studium mit Jobgarantie

Man sieht sich im Leben immer zweimal, lautet eine alte Weisheit. „Bei uns in der Branche sind das eher 15 bis 20 mal“, sagt FH Burgenland Absolvent und Allplan Geschäftsführer Georg Brandauer mit einem Augenzwinkern.

Österreich ist klein, die Branche überschaubar und auf Absolventinnen und Absolventen der FH Burgenland trifft man am laufenden Band.

Georg BrandauerLektor und Allplan Geschäftsführer

In seinem ehemaligen Studiengang Gebäudetechnik und Gebäudemanagement ist er seit mehr als 10 Jahren nun selbst Lektor. „Mich beeindruckt an der Lehrtätigkeit, dass man junge dynamische, zukünftig erfolgreiche Menschen treffen kann, die Sichtweise der Jungen kennenlernt und etwas beitragenkann, dass im Studium Praxisbezug entsteht.“

Was die Alumni der FH Burgenland, die als Österreichs Kaderschmiede für Gebäudetechnik einen exzellenten Ruf genießt, mitbringen: „Sie sind sehr gut ausgebildet hinsichtlich innovativer Technologien. Sie haben die nötige theoretische Tiefe, aber auch die erforderliche praxisorientierte Breite.“ Jobgarantie sei definitiv gegeben, bestätigt Brandauer.

Die Herausforderungen der Zukunft liegen in Digitalisierung, Klimaneutralität und Fachkräftemangel. Die FH Burgenland hilft, das zu bewältigen. Auch deshalb ist meine alte Hochschule ein wichtiger Partner für die Zukunft.

Wie herausfordernd das Studium in Pinkafeld ist, konnte Brandauer am eigenen Leib erleben. „Uns hat der damalige Studiengangsleiter auf den Ehrenkodex  eingeschworen“, erinnert er sich. „Das Studium war nicht einfach, aber wir wurden von den Lehrenden nicht allein gelassen. Zwischen Lehrenden, Studierenden und Alumni gibt es eine besondere Community.“

Allplan beschäftigt sich seit über 50 Jahren mit Energie- und Umwelttechnik. Brandauer ist einer von drei Geschäftsführern und kümmert sich vorrangig um die Themen Gebäudetechnik und Bauphysik. „Große Themen für uns sind Klimaneutralität, ressourcenschonend arbeiten und planen. Wir planen alle Gebäudetypen – um die 150 bis 200 Projekte gleichzeitig - von ganz klein bis ganz groß. Auch für Krankenhaustechnik haben wir ein eigenes Team.“ Projekte waren etwa das LKH Mistelbach, Wien Mitte, der Austria Campus in Wien und viele mehr.

Was ihn an diesem Themenfeld nach wie vor begeistert?

„Wir machen das nicht der Technik willen, sondern für die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes, für deren Behaglichkeit. Ich stelle mir vor, wer in diesem Gebäude leben oder arbeiten wird, der soll die richtige Temperatur, die richtigen Lichtverhältnisse und ausreichend frische Luft haben… Das ist unsere Zuständigkeit.“


 

Am Anfang braucht man Geduld

Josef Gamperl, dem Geschäftsführer des Ingenieurbüros ZFG-Projekt, war eigentlich ein anderer Beruf in die Wiege gelegt. „Ich komme aus einer Landwirtschaftsfamilie und habe dementsprechend eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht.“ Den elterlichen Betrieb übernahm Gamperl – jedoch nur nebenberuflich. Seine Vision war nämlich ein Gebäudetechnik-Studium an der FH Burgenland in Pinkafeld, von dem ihm ein Freund erzählt hatte. „Der Weg zum Studium war nicht einfach. Ich hatte keine Matura und musste auch meine Eltern erst überzeugen“, sagt er rückblickend.

Bei ZFG-Projekt begann er als Praktikant. Seit 2017 ist er einer der Geschäftsführer und ZFG-Projekt das mit 110 Mitarbeiter*innen und drei Standorten größte Planungsbüro für TGA in Österreich.

Mein Weg im Unternehmen war ein klassischer und ich kann nur allen Jungen raten: am Anfang der Karriere braucht man Geduld. Es dauert drei bis vier Jahre, bis man selbst Projekte betreuen kann.

Josef GamperlGeschäftsführer ZFG Projekt

Was seine beiden Lebenswelten – die Landwirtschaft und die Gebäudetechnik – miteinander verbindet?

„Es ist und bleibt spannend, das man sieht, was man macht. Das ist in der Landwirtschaft so und in meinem Beruf auch. Es gibt den theoretischen Teil, das Überlegen einer Umsetzung, das Aufs-Papier-Bringen. Und das baut dann wirklich jemand in der Form, wie du dir das gedacht hast. Das ist eine absolut tolle Erfahrung.“

Der FH Burgenland ist er nach wie vor sehr verbunden.

Die Ausbildung entspricht absolut den Marktanforderungen. Dementsprechend ist der Kampf um die Alumni in der Branche relativ groß. Das ist mit ein Grund, dass wir den engen Kontakt mit der Hochschule suchen, um schon vor Studienabschluss eine Beziehung zu den Leuten herzustellen. Besonders freut es uns, dass wir aktuell den neuen FH Standort in Pinkafeld mitplanen dürfen.


Umfassende Expertise

FH Absolvent Klaus Szep ist Prokurist und Abteilungsleiter bei der pde Integrale Planung GmbH, der Planungstochter der PORR Group. „Wir beschäftigen uns mit allen Fachbereichen der nachhaltigen Hochbauplanung und wenden innovative Methoden wie Building Information Modeling und LEAN Design an“, erklärt er. „Das heißt, wir planen und koordinieren alle Gewerke, die notwendig sind, um ein Gebäude zu errichten.“ Darunter fällt nicht nur die klassische Gebäudetechnik, sondern auch Architektur, Tragwerksplanung und Spezialthemen wie Bauphysik, Brandschutz und Gebäudezertifizierungen.

Rund 80 Fachplaner*innen arbeiten allein in seiner Abteilung.

Besonders attraktiv für mich ist, dass es immer wieder neue Herausforderungen gibt. Wir sind stark an unserer Weiterentwicklung interessiert, streben nach herausfordernden und technologisch anspruchsvollen Projekten. Unsere Kunden schätzen am meisten, dass wir sie mit dem operativen Bauwissen im Hintergrund ganzheitlich beraten und somit flexibel auf ihr Projekt eingehen können.

Als Absolvent der HTL Pinkafeld war für Szep ein Studium an der FH Burgenland im Bereich Gebäudetechnik und Gebäudemanagement naheliegend. „Was dort gelehrt und behandelt wird, ist nach wie vor enorm zukunftsträchtig“, ist er überzeugt. 20 Jahre an Berufserfahrung später – davon 10 Jahre im internationalen Kontext - weiß er zwei Dinge ganz bestimmt:

Erstens: Die Wichtigkeit des Themas nimmt weiter zu! Die TGA (Technische Gebäudeausrüstung)  hat bei vielen Projekten die klassischen Baugewerke vom Investitionsvolumen schon überholt. Der wesentlichste Faktor, ob ein Projekt ein Erfolg wird, entscheidet sich meist in der TGA – denn letztlich ist die TGA wesentlich dafür verantwortlich, ob ein Gebäude funktioniert oder nicht.

Zweitens: Gleich nach der FH bin ich ins Ausland gegangen und habe für rund 10 Jahre im Mittleren Osten, Osteuropa und der Schweiz gearbeitet. Diese Erfahrung hat mir gezeigt,  dass wir uns mit unserer Ausbildung keinesfalls zu verstecken brauchen. Absolventinnen und Absolventen der FH Burgenland haben ein sehr gutes Rüstzeug mitgenommen und können ihre Expertise überall einbringen und erfolgreich arbeiten.

Klaus SzepProkurist und Abteilungsleiter bei der pde Integrale Planung GmbH, der Planungstochter der PORR Group

Auch aus diesem Grund sind Alumni seines ehemaligen Studiengangs als Mitarbeiter*innen höchst willkommen bei der pde. „Mit dieser Ausbildung bist du extrem breit aufgestellt. Du hast einen besseren Fokus übers ganze Projekt – du bist der Generalist unter all den Professionisten“, ist Szep überzeugt.

Auch in Sachen Innovation geht die PORR mit der FH Burgenland gerne gemeinsame Wege. „Über Digitalisierung in der Gebäudetechnik haben wir schon vor Jahren mit den Zuständigen an der FH gesprochen. Wir sind auch als Unternehmen sehr früh auf diese Zukunftsthemen aufgesprungen.“


Alles ist Energie

Michael Haugeneder ist Geschäftsleiter der ATP sustain GmbH und beschreibt seinen Beruf als äußerst vielfältig: „Wir begleiten Projekte im nachhaltigen Bauen. Das bedeutet, dass wir ökologische, ökonomische und soziokulturelle Gegebenheiten eines Gebäudes mit dem Bauherrn gemeinsam ausarbeiten.“ Es handelt sich dabei um mittlere und große Bauvorhaben, hauptsächlich Gebäude ab 5.000 m2 und größer bis hin zu Stadtquartieren oder Stadtteile.

Spannend an meinem Beruf finde ich, dass wir die Möglichkeit haben, daran mitzuwirken, dass eine bessere Zukunft entsteht. Und zwar deshalb, weil wir in einer sehr frühen Phase der Projekte an wesentlichen Stellschrauben arbeiten können, etwa CO2 Neutralität, leistbares Wohnen und Leben, Komfort, Gesundheit von Mensch und Umwelt. Unser Ziel ist es, Gebäude zu schaffen, die in ihrer Qualität einen wesentlichen Mehrwert in der Gesellschaft bringen.

Michael HaugenederGeschäftsleiter der ATP sustain GmbH

Das Thema der Ressourcenschonung hat Michael Haugeneder dabei schon immer interessiert.

Schon als HTL-Schüler beschäftigte er sich mit den Baustoffen Holz bzw. mit Recycling. Doch auch das Thema Energie ließ ihn nicht los. „Alles ist Energie“, ist nach wie vor sein Motto – „auch jeder Feststoff besteht aus Energie.“

An der FH Burgenland fand er im Studiengang Gebäudetechnik genau die Themen, nach denen er gesucht hatte. Seiner alten Hochschule bleibt er dabei auch nach vielen Jahren noch treu. Er lehrt als externer Lektor im Bereich des nachhaltigen Bauens und Safety & Security und stellt auch als Arbeitgeber immer wieder gerne Absolvent*innen seines ehemaligen Studiengangs ein.

 

Diese Leute bringen viel Basiswissen etwa zu Thermodynamik oder Strömungslehre mit. Innovative Entwicklungen kann nämlich nur vorantreiben, wer die Physik versteht. Die Grundlagen sind sehr wichtig und dürfen auch nicht verloren gehen“, appelliert er. „Wer die Grundlagen nicht verstanden hat, kann auch neue Technologien nicht beurteilen.

Auch zur Weiterentwicklung des Studiengangs hat er eine wichtige Empfehlung:

„EU Taxonomie bzw. der Green Deal sind in aller Munde. Um die Vision der EU umsetzen zu können, braucht es technische Guidelines für die tatsächliche Umsetzung in allen Branchen. Das Gute ist, dass die EU Direktive in der Finanzwelt angesiedelt ist. Das hat mit der Baubranche zwar nicht direkt etwas zu tun, aber jeder Banker, der sich damit beschäftigen muss, braucht einen Techniker, der unterstützt. In Zukunft brauchen wir Fachleute, die diese wichtigen Fragen beantworten können. Die Finanzwelt ist der größte Treiber im Wirtschaftssystem und damit der stärkste Hebel zur Veränderung des Wirtschaftssystems hin zur ökosozialen Reform“, ist Haugeneder überzeugt.

Zukünftige Fragen werden sich darum drehen, wie ein Gebäude klimaneutral erbaut werden kann und dem Klimawandel standhält. Studierende der FH Burgenland erlenen, was man hierfür braucht. „Alumni des Masterstudiengangs Gebäudetechnik und Gebäudemanagement sind zugelassen, hier Gutachten schreiben zu können. Das ist ein wesentliches Asset in Zukunft. Expertinnen und Experten mit Hochschulstudium werden in den nächsten Jahren alle Hände voll zu tun haben – mehr denn je“, prophezeit der Experte.


Vielschichtig und interdisziplinär

Spätestens nach seiner Matura war Peter Weinzettl klar, dass er an der FH Burgenland Gebäudetechnik und Gebäudemanagement studieren wollte. Im Jahr 2000 schloss er sein Studium ab und fasste beruflich unmittelbar Fuß in einem Planungsbüro. „Ich durfte rasch sehr interessante Projekte machen und wurde ins kalte Wasser gestoßen. Das kann für die berufliche Laufbahn sehr erfrischend sein.“,  meint er dazu heute humorvoll. So erhielt er die Chance, schon in sehr jungen Jahren Teil großartiger Projekte zu sein. Über den Uniqa Tower bis zum Design Tower am Wiener Schwedenplatz, bei dem er für das Energiekonzept verantwortlich zeichnete.

Nach intensiven Jahren hauptsächlich im Inland zog es ihn zurück ins Südburgenland. 2007 absolvierte er aus diesem Grund die Ziviltechnikerprüfung, für die FH Absolventinnen und Absolventen seit 2006 zugelassen sind. Ein wichtiger Schritt für ihn, um im Burgenland Fuß zu fassen. Die Woschitz Engineering plante zu diesem Zeitpunkt, den Kompetenzbereich Energy Design mitaufzunehmen – die Chance für Peter Weinzettl.

Vielschichtig und interdisziplinär laufen seine Projekte, beschreibt er.

Es ist uns wichtig, über den Tellerrand hinaus zu sehen. Wir schlagen sehr innovative Konzepte vor und realisieren sie.

Peter Weinzettl Geschäftsführender Gesellschafter Woschitz Engineering

2010 begründete er in der Woschitz Engineering die Abteilung für Energy Design, seit 2012 ist er geschäftsführender Gesellschafter. Dass Digitalisierung in der Branche ein ganz wichtiges Thema werden wird, haben er und seine Kolleg*innen früh erkannt.

Die Digitalisierung eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – egal wo sie sitzen - ihre Arbeit super zu machen. Für uns läuft es wirklich gut. Wir haben in der Krise sogar Leute aufgenommen.

Auch für die Absolventinnen und Absolventen seines ehemaligen Studiengangs zeichnet er ein vielversprechendes Zukunftsszenario: „Energie- und Umwelttechnik*innen brauchen sich nicht zu fürchten. Es steht eine wesentliche Revolution an, die Energiewende werden wir konsequenter in Angriff nehmen müssen.“

Er selbst unterrichtet als Lektor in seinem ehemaligen Studiengang und vermittelt Expertise im Bereich Planungsprojekt Gebäudetechnik.

Die Branche steht laut Weinzettl aktuell vor einem Umbruch. BIM (Building Information Modelling) Planungen werden enorm wichtig. „Das kann nur gelingen, wenn es ein gravierendes Umdenken der Baukultur – speziell im deutschsprachigen Raum gibt. Die gesamte Baukultur muss sich ändern, weg vom Billigstbieterprinzip, hin zur angemessenen Budgetierung hochqualitativer Projekte. Auch auf Investorenseite müsste ein Umdenken kommen, denn die Digitalisierung bringt langfristigen Mehrwert.“ Auch hier, nämlich in einem anderen Zugang zu gewissen Themen, sieht er viel Potenzial bei der jungen Generation.

Empfehlen kann er die Branche allemal: „Man muss viele Bälle gleichzeitig jonglieren, wertschätzender Umgang mit Menschen ist wichtig, genauso wie technische Kompetenzen oder juristisches Rüstzeug und kaufmännisches Denken. Genau deshalb bleibt es sehr interessant.“


Innovative Planungsmethoden

Der studierte Bauingenieur und Gebäudetechniker, Simon Handler, hat im Überschneidungsbereich von Bau- und Gebäudetechnik promoviert und ist Experte für die integrale Entwicklung von Energie- und Gebäudekonzepten. Beruflich steht er der hacon GmbH in Eisenstadt als Geschäftsführer vor.

Er studierte Bauingenieurwesen an der TU Graz und an der TU Wien. „Nach dem Studium habe ich im Bereich Bauphysik zu arbeiten begonnen und bin erst über den Job zur Haustechnik gekommen“, erzählt er. „Ich bin sehr schnell draufgekommen, dass mir für die gesamtheitliche Betrachtung des Themas ‚Energie in Gebäuden‘ die Haustechnik komplett fehlt.“

Schon während seinem Doktorat zum Thema Bauteilaktivierung fiel der Entschluss, sich weiter im Bereich der Haustechnik zu vertiefen. Parallel zum Doktorat studierte er also den Masterstudiengang Gebäudetechnik und Gebäudemanagement an der FH Burgenland in Pinkafeld und beschreibt die Zeit im Nachhinein als „ziemlich ambitionierte Lebensphase.“

Die Entscheidung auf die FH zu gehen und mich im Bereich der Gebäudetechnik zu vertiefen, war in meinem Fall ebenso Gold wert, wie die Entscheidung für das Doktoratsstudium!

Simon HandlerGeschäftsführer hacon GmbH

Seit 2020 ist er mit seinem Planungsbüro hacon selbstständig. „Unsere Kunden sind in erster Linie Bauträger oder auch Generalplaner und Haustechnikplaner“, beschreibt er. Sein Unternehmen sei Ansprechpartner Nummer eins für Gebäudephysik.

„Mit Hilfe moderner Simulationstechnik schaffen wir realitätsnahe Abbilder unserer Gebäude und ermöglichen so eine kosteneffiziente Dimensionierung der haustechnischen Anlagen. Dies spielt insbesondere im Bereich der Geothermie oft eine entscheidende Rolle.“

Fairness und Transparenz sind dabei wichtige Werte für den Unternehmer, der sich gerne an seine Studienzeit zurück erinnert.

 

Es war angenehm, keine Nummer zu sein. Die Ausbildung hat mich  gerade in dem Feld, in dem ich arbeite, weitergebracht, weil wir uns sehr stark mit innovativen Planungsmethoden beschäftigt haben.


Geschätzter Konnex zur FH

Thomas Schlögl ist Prokurist und Büroleiter des Standortes Hartberg der Lechner und Partner Ingenieure GmbH. Technik spielte in seinem Leben schon immer eine Rolle, eine HTL Ausbildung in Pinkafeld war naheliegend. Sein Studieneinstieg im Bachelorstudiengang Energie- und Umweltmanagement an der FH Burgenland jedoch gestaltete sich außergewöhnlich. „Wir bekamen die Möglichkeit, schon während des Präsenzdienstes ins Studium einzusteigen und konnten uns damit ein Jahr ersparen“, erzählt er.

An den Bachelorstudiengang schloss er das Masterstudium in Gebäudetechnik und Gebäudemanagement an und absolvierte parallel zum Master die Befähigungsprüfung für die Ingenieurbüros. Bis 2017 folgten darauf weitere Befähigungsprüfungen bis hin zur Ablegung der Ziviltechnikprüfung. Diese ist erst nach einem Masterstudium in Kombination mit Berufserfahrung und weiteren Nachweisen möglich. Seit 2018 trägt er seinem konkreten Studiengang zugeordnet die Befähigung zum Ingenieurkonsulent für Gebäudetechnik und Gebäudemanagement.

2009 startete er als Techniker in einem Planungsbüro. „Wir waren zwei Personen in einem Container – das ist schrittweise gewachsen“, blickt er zurück. Sein Projektierungs-Schwerpunkt lag dabei immer im haustechnischen Teil. Ähnlich der Studiengangsentwicklung in Pinkafeld erweiterte sich sein Portfolio aber auch in den Bereich der Gebäudeautomation.

Mittlerweile ist er im etablierten Ingenieurbüro der Mitarbeiter, der von Anfang an dabei war und das Unternehmen mitprägte.

Das Unternehmen ist gewachsen und beschäftigt 40 Mitarbeiter*innen in Hartberg und Wien. Seit 2019 ist Thomas Schlögl Geschäftsführer, seit 2020 Prokurist und Büroleiter für den Standort Hartberg. Von den Technikerinnen und Technikern in seinem Umfeld sind aktuell fünf Absolventen und fünf Studierende angestellt.

Das berufsbegleitende Modell der FH Burgenland findet er auch aus Arbeitgebersicht großartig:

Studieren, wissenschaftlich Arbeiten und das Erlernte beruflich in die Praxis umzusetzen zeichnet diese Lebensphase für die Studierenden aus. Es ist nicht jedermanns Sache, fünf Jahre lang die Wochenenden dem Studium zu opfern, aber es zahlt sich in jedem Fall aus. Wir als Arbeitgeber fördern es sehr, wenn unsere Mitarbeiter studieren.

Thomas Schlögl Prokurist und Büroleiter des Standortes Hartberg der Lechner und Partner Ingenieure GmbH

Seit 2019 ist Thomas Schlögl selbst externer Lektor an seiner alten Hochschule – und das nicht, ohne „Hintergedanken“.

Das Lehren gibt mir die Möglichkeit, den Nachwuchs kennenzulernen. Ich möchte den Konnex zur FH bewusst sehr hoch halten. Das ist eine tolle Community.

Warum sich jungen Menschen für genau diesen Themenbereich entscheiden sollen? Wir haben in der technischen Gebäudeausrüstung wahrscheinlich eines der umfangreichsten Fachgebiete überhaupt. Das Thema lässt viel Individualismus zu und ist durchgehend praktisch orientiert.

Studieren zu diesen spannenden Themen könnt ihr an der FH Burgenland im Department Energie & Umwelt. Die Beschäftigung mit Zukunftsthemen in diesem Bereich lohnt sich allemal!