16. Juni 2020

Weltweit fragen sich leidgeprüfte Eltern wohl spätestens nach dem Corona-Lockdown, was (um Himmels Willen!) ihre Kinder zum Üben bewegt. Für ihre Dissertation im kooperativen Doktoratsprogramm der FH Burgenland beschäftigte sich die Sprachdidaktikerin Eva Gröstenberger mit genau diesem Thema. Ihr Fazit: Angst und gute Lehrer bringen Jugendliche zum Üben.

Schülerinnen sitzen konzentriert vor Laprops

Eines der spannenden Studienergebnisse: Mädchen leiden, auch wenn sie bessere Noten haben, viel stärker unter Foreign Language Anxiety als ihre männlichen Klassenkollegen.

Eisenstadt, 16. Juni 2020 – Eva Gröstenberger studiert im Doctoral Programme in Educational & Communication Sciences der FH Burgenland. Die angehende Institutsleiterin für Ausbildung und praktische Studien an der Pädagogischen Hochschule Burgenland befragte für ihre Dissertation 379 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an HAKs und HLWs im Burgenland im Schuljahr 2018/19. Erhoben wurde das Level an Foreign Language Anxiety, übersetzt die Fremdsprachenangst, der Schülerinnen und Schüler zu Beginn und am Ende des Schuljahres. Zwischen den Erhebungen erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich alleine oder in Begleitung durch ihre Lehrerinnen und Lehrer mit online Lernmaterialien auf ihre Englischmatura vorzubereiten. „Leider ist die eigenständige Übungsbereitschaft der Schüler sehr gering und es scheint hauptsächlich Angst zu sein, die Schülerinnen und Schüler zum Üben bringt“, so Gröstenberger.

Freiwilliges Üben ist eher selten, es braucht offensichtlich den Druck durch die Angst vor schlechten Noten.

Eva Gröstenberger PhD Studentin an der FH Burgenland

Großer Einfluss guter Lehrer

Erfreulich sei hingegen die Tatsache, dass auch engagierte Pädagoginnen und Pädagogen einen erheblichen Einfluss auf die Übungsfreudigkeit der Schüler haben. Gröstenberger, selbst Mutter von zwei Schulkindern: „Viele Eltern konnten das während des Corona-Lockdowns deutlich beobachten: ein unreflektiertes Onlinestellen von Übungsmaterialien durch die Lehrer bringt nichts.“ Lehrerinnen und Lehrer müssten sprichwörtlich „dahinter sein“ und ihre Schüler auch beim online Lernen gut begleiten. „Wir sehen also deutlich, dass auch intensive Zeiten des online Lernens den Lehrer oder die Lehrerin nicht unnötig machen. Feedback und Anleitung sind äußerst wichtig.“

Mädchen mehr Angst als Burschen

Deutlich belegen ließe sich laut ihrer Studie auch, dass Mädchen, auch wenn sie besser Noten hätten,  viel stärker unter Foreign Language Anxiety leiden als ihre männlichen Klassenkollegen. „Die geschlechterspezifischen Ergebnisse zeigen auch, dass Mädchen sich in ihrer Freizeit signifikant weniger mit der Fremdsprache beschäftigen als Burschen“, so die Pädagogin. Grundsätzlich sei jedoch zu erwähnen, dass nur 20% der befragten Schülerinnen und Schüler über große Angst beim Einsatz der Fremdsprache berichteten und 20% nur sehr geringe Angst empfinden. Erfreulich sei auch, dass sich ein überwiegender Großteil der Befragten sehr gut an der Schule aufgehoben und sehr gut durch die Pädagogen betreut fühlt. „Das war in den Anfangszeiten der Zentralmatura nicht immer so und ist ein sehr positives Signal an alle engagierten Kolleginnen und Kollegen.“

Üben macht Sinn

Klar zeigt sich auch, dass sich durch das konsequente Üben die Angst deutlich reduzieren lässt und die subjektive Sicherheit in der Fremdsprache steigt. Gröstenberger selbst engagierte sich viele Jahre lang als Mitglied des Entwicklungsteams der burgenländischen Lernplattform LMS, die mittlerweile in ganz Österreich zum Einsatz kommt, und beschäftigte sich dort besonders intensiv mit online Materialien für den Englischunterricht. Ihren Fachkolleginnen und –kollegen rät sie zu mehr Sensibilität.

Das Konzept der Foreign Language Anxiety ist noch nicht in allen Köpfen angekommen. Wir sollten in Zukunft bei Schülerinnen und Schülern mit schlechten Noten hinterfragen, ob die Anxiety ein Grund dafür sein kann und ihnen mehr Möglichkeiten anbieten, der Angst entgegenzuwirken.

Eva Gröstenberger Sprachdidaktikerin

Facts zu den PhD Programmen

Seit Herbst 2014 läuft an der FH Burgenland ein Joint Cross-Border Doktoratsprogramm in International Economic Relations and Management in Kooperation mit internationalen Partneruniversitäten. Das postgraduale Angebot wurde mittlerweile um ein weiteres PhD Programm in Educational & Communication Sciences erweitert. Beide Doktoratsprogramme werden vollständig in englischer Sprache geführt. Der erworbene akademische Titel ist in Österreich, in der gesamten europäischen Union und weltweit anerkannt. Das erste Studienjahr verbringen die Studierenden an der FH Burgenland in Eisenstadt. Danach werden sie je nach gewähltem Forschungsgebiet für das zweite und dritte Studienjahr an eine Partnerhochschule entsandt. Das Studium umfasst 180 ECTS Punkte, das entspricht in etwa 4.500 Arbeitsstunden über die Dauer von mindestens drei bis fünf Jahren. Die Anmeldefrist endet am 31. August 2020. Informationen unter www.fh-burgenland.at

 

Rückfragehinweise:
Mag.a Christiane Staab
Marketing & Kommunikation
Fachhochschule Burgenland GmbH
Tel: +43 (0)5 7705 3537
E-Mail: christiane.staab[at]fh-burgenland.at