28. November 2017

Internationaler Wissenschaftskongress e-nova am Campus in Pinkafeld
Die Zukunft der Gebäude digital, dezentral & ökologisch betrachtet

v.l.n.r. GF Georg Pehm, Keynote Speaker Volker Quaschning, Departmentleiter Gernot Hanreich und Organisator Robert Kranner freuten sich über den regen Wissensaustausch bei der e-nova.

Pinkafeld, 28. November 2017: Das Department Energie-Umweltmanagement der FH Burgenland beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren am Campus Pinkafeld in der Lehre und Forschung mit Energie-, Umwelt- und Gebäudethemen. Auch diesmal war das Studienzentrum Begegnungsort für fachlichen Austausch unter Experten aus dem In- und Ausland.

Die traditionell im November angelegte e-nova zählt mit knapp 200 Besuchern zu einer der größten Fachtagungen des Burgenlandes. Nicht zuletzt, weil sie Themen anspricht, die nicht nur Techniker, sondern uns alle betreffen. „Gerade in der kalten Jahreszeit wird uns die Wirkung gebäudetechnischer Maßnahmen besonders bewusst. Wir machen uns Gedanken um Dämmung, Heizen, Beleuchtung und den erhöhten Energiebedarf“, erläutert Gernot Hanreich, Departmentleiter Energie-Umweltmanagement. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zeigte in seinem Impulsvortrag „Energiewende und Klimaschutz – Sind wir echt besser als Trump?“ notwendige Wege auf, um den Klimawandel stoppen zu können. Er plädierte unter anderem für eine klimaverträgliche Wärmeversorgung mittels Wärmepumpe und zeigte sich sehr begeistert von der zukunftsweisenden Ausbildung am Studienzentrum sowie dem gut ausgestatteten Labor am Standort in Pinkafeld. 

Innovationen und Digitalisierung gemeinsam vorantreiben
Die Themen Digitalisierung in der Gebäudetechnik, Low Tech Building, dezentrale Energieversorgungseinheiten, Vernetzung dezentraler Akteure, LCA Konzepte für Gebäude und rechtliche und normative Entwicklungen standen beim 21. internationalen Kongress e-nova 2017 am Studienzentrum in Pinkafeld im Fokus. „Mit dem Kongress soll ein wichtiger Beitrag zur Darstellung und Diskussion von Lösungsansätzen und Innovationen geleistet werden“, erklärt Hanreich.

Das Neueste aus Forschung und Entwicklung
Neben der Frage der Integration von Kleinwind- und Photovoltaikanlagen diskutierten die Experten über dezentrale, erneuerbare Energiesysteme sowie Ansätze der Digitalisierung und Automatisierung in der Gebäudetechnik.

Beiträge kamen sowohl von Experten der Fachhochschule Burgenland und Forschung Burgenland, als auch von nationalen und internationalen Speakern unter anderem von den Technischen Universitäten Graz und Wien, der University of Maribor, Slovak University of Technology, der HTBL Pinkafeld oder den Unternehmen 4ward Energy Reserch GmbH, BIOENERGY 2020+ GmbH, EAM Systems GmbH, TBH Ingenieur GmbH und vielen anderen.

Pinkafeld, das Zentrum für Gebäudetechnik
Das Fachhochschul-Studienzentrum Pinkafeld ist weit über die Grenzen des Burgenlandes als Hochburg für die Ausbildung zukünftiger Gebäudetechniker bekannt. Dementsprechend kamen auch international anerkannte Experten der FH Burgenland zu Wort, die ihr Wissen und ihre Projekte im Rahmen der e-nova vorstellten.

 

Das gemeinsame Projekt „Low-ex Microgrid“ von Franz Hengel und Stefan Langerwisch, Forschung Burgenland, Christian Heschl, FH Burgenland, Samuel Knabl, AEE Intec, und Christoph Urschler, TBH Ingenieur GmbH, wurde den Teilnehmern als Workshop nähergebracht. Verteilte Mikronetze erfordern neuartige exergieoptimierte Betriebsansätze sowie Niedertemperatur-Technologien im Bereich der Verteilung, dem Verbrauch, der Speicherung und auch der Bereitstellung von Energie. Die Entwicklung dieses holistischen und integralen Ansatzes bzw. dieser Technologien mit besonderem Schwerpunkt auf solargekoppelte oberflächennahe Erdwärmepumpensysteme und thermische Speichermassenaktivierung war Inhalt des soeben abgeschlossenen Projektes „Low-ex Microgrid“. Die Untersuchungen wurden mit Hilfe eines neu entwickelten Simulationsmodells zur dynamischen Beschreibung der Energieströme im Gesamtsystem durchgeführt. Mit Hilfe dieses Modells kann die Gesamtenergieeffizienz von einem Wärmepumpen-Mikronetz unter Berücksichtigung von dezentralen Energiegewinnungen, unterschiedlichen Speicherkonzepten, Wärmenetzen, zentraler Energieversorgung und verwendeter Regelstrategie analysiert werden. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „ENERGY MISSION AUSTRIA“ durchgeführt.

 

Christian Heschl, Studiengangsleiter des Masterstudiengangs Gebäudetechnik und Gebäudemanagement, identifizierte in seinem Vortrag „SOFC – Systemlösungen für Wohngebäude“ die verbraucherseitigen Anforderungen für den Wohnbau. Neben der Entwicklung von zeitlich hochaufgelösten thermischen und elektrischen Lastprofilen einzelner Wohneinheiten zeigte er verschiedene Möglichkeiten zur Reduktion großer Lastgradienten auf. Er analysierte mögliche SOFC-Systemkonfigurationen für Wohngebäude. Die Untersuchungsergebnisse verdeutlichen, dass SOFC-Systeme, eine Art von Brennstoffzelle, in Kombination mit Kurzzeitspeichern aufgrund ihrer flexiblen Konfigurationsmöglichkeiten an die individuellen Strom- und Wärmebedürfnisse sehr gut angepasst werden können. Die Nutzung des elektrischen Netzes auf Distriktebene ermöglicht zudem Lastausgleichspotenziale zu realisieren und gleichzeitig dezentrale Abwärmenutzungspotenziale zu verwirklichen. Dadurch können die thermischen Verteilverluste minimiert und eine effiziente und resiliente Energieversorgung erzielt werden. Die Ergebnisse wurden im Zuge des Sondierungsprojektes SOFC4City erarbeitet, welches durch das Programm „Stadt der Zukunft“ im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert wurde.

 

Peter Klanatsky, Lehrender an der FH Burgenland, behandelte in seinem Vortrag mit dem Titel „Rahmenbedingungen für die effiziente Integration von hybriden Speicherlösungen“ Zwischenergebnisse des Projekts „Zentrales Gebäude-Energie-Managementsystem“ (ZGEM). Dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, einen intelligenten, ganzheitlichen Gebäuderegler zu entwickeln, der die wesentlichen Komponenten zur Energiebereitstellung, -speicherung, -verteilung und -verbrauch im Gebäude energie- und eigenverbrauchsoptimiert zentral regeln soll. Im Konkreten wurden für einen bestimmten Standort und Gebäudetyp synthetische Datensätze bezüglich der elektrischen und thermischen Lastprofile analysiert. Unter Berücksichtigung der Ertragsprofile von PV-Anlagen mit unterschiedlichen Anlagengrößen wurden die Eigennutzungsgrade der erzeugten PV-Energie und die Autarkiegrade bestimmt. Weiters wurde vereinfacht für die unterschiedlichen PV-Anlagengrößen untersucht, ob und in welcher Größe hybride Speicherlösungen den Eigennutzungsgrad der erzeugten PV-Energie und den Autarkiegrad erhöhen.

 

Sebastian Schuh von der Forschung Burgenland referierte zum Projekt Future_Heat_Pump. In diesem werden neben konventionellen Wärmepumpen auch alternative Wärmepumpenkonzepte untersucht, wie Thermoelektrik, Thermoakustik und Magnetokalorik. Magnetokalorische Materialien zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich beim Anlegen eines Magnetfeldes erwärmen und beim Entfernen des Magnetfeldes wieder abkühlen. Eingebettet in einen Kreisprozess, kann mit diesem Material Wärme von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau gepumpt werden. Um herauszufinden, welches Potential der Einsatz dieses Materials in neuartigen Wärmepumpen aufweist, wurde ein Simulationsprogramm entwickelt. Mit dessen Hilfe können die grundlegenden Eigenschaften eines Kreisprozesses mit magnetokalorischem Material untersucht werden. In einem nächsten Schritt soll das Programm dahingehend erweitert werden, dass auch Kreisprozesse mit unterschiedlichen, interagierenden magnetokalorischen Materialien untersucht werden können.“ Das Projekt wird im Rahmen der Programmschiene COIN vom BMWFW gefördert.

 

Gernot Steindl von der Forschung Burgenland beschrieb künstliche neuronale NARX-Modelle zur Wärmelastprognose von Nahwärmenetzen. Es geht dabei um eine Methode, um Wärmelasten in Nahwärmenetzen mit Hilfe von „Machine Learning“ für die nächsten 24 Stunden vorherzusagen. Dies wird einerseits für eine optimierte Betriebsführung der Wärmeerzeuger benötigt, anderseits wird im Projekt Hybrid Grids Demo das Flexibilitätspotential des Wärmenetzes für das Stromnetz genutzt. Power-to-Heat-Anlagen stellen dabei eine Schnittstelle zwischen dem Stromnetz und dem Wärmenetz her. Um diese Flexibilität der thermischen Speicherung optimal nutzen zu können, ist ebenfalls eine Prognose der Wärmelast notwendig.

 

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Rückfragehinweise: Jennifer Joó BA, Marketing & Kommunikation, Fachhochschule Burgenland GmbH, Tel: +43 (0)5 7705 3538, E-Mail: presse@fh-burgenland.at