06. Juli 2022
Christiane Staab
Von: Christiane Staab

Patrizia Sailer arbeitet derzeit als Software Entwicklerin beim AIM – Austrian Institute of Management, einem Tochterunternehmen der FH Burgenland.

Dort ist sie für die Programmierung eines Studierendenverwaltungssystem zuständig. An ihrem Beruf mag sie, die Früchte der Arbeit direkt zu sehen. „Wenn meine Kolleg*innen neue Features benötigen, dann programmiere ich diese und entwickle so das Portal weiter. Es kann auch vorkommen, dass bestehende Funktionen angepasst oder erweitert werden müssen“. Dieser berufliche Werdegang war allerdings nicht von Anfang an ersichtlich. Denn Patrizia absolvierte eigentlich eine wirtschaftliche Schulausbildung.

Mitte 20 entschloss sich Patrizia zu einer Lehre zur Informationstechnologin, welche sie über das ZAM – das Zentrum für Ausbildungsmanagement Steiermark - im Projekt „Frauen in der Technik“ absolvierte. Parallel dazu begann sie das Bachelorstudium Software Design an der FH Joanneum, um die Grundlagen zu festigen und unterschiedliche Bereiche in der IT kennenzulernen. Nach dem erfolgreichen Abschluss hängte sie das Masterstudium Cloud Computing Engineering an der FH Burgenland an. Auf die Frage, warum gerade dieses Studium, antwortet sie:

Cloud Computing ist ein wichtiges Thema, welche in der Zukunft an Relevanz zunimmt. Beworben habe ich mich dafür, weil mir die Kombination aus IoT (Internet of Things), Smart City, Smart Home, Cloud Computing und den vorgestellten Forschungsprojekten rund um Themen wie Indoor Farming oder Bürgerbeteiligungsplattformen sehr zugesagt hat.

Patrizia SailerAbsolventin der FH Burgenland

Mit dem Thema Smart City hatte sich Patrizia bereits in ihrem Bachelorstudium auseinandergesetzt und mit einer Arbeit dazu den ‚Huawei Seeds of the Future‘-Bewerb gewonnen. Die Auszeichnung ermöglichte ihr, in die Chinesische Industriestadt Shenzhen zu reisen, um im Huawei Headquarter die neusten Technologien kennen zu lernen. „Dieses Erlebnis war ein Ansporn mich weiterhin mit dieser Thematik in einem Studium auseinanderzusetzen, um weitere Einblicke zu bekommen. Dafür ist Cloud Computing Engineering ausgezeichnet geeignet gewesen.“

Im Zuge der Bewerbung um einen Studienplatz für den Master Cloud Computing Engineering wurde Patrizia ein Job in der Forschung Burgenland im Bereich „Cloud, Cyber Physical Systems and Security“ angeboten. Somit hatte sie die Chance die theoretisch gelernten Inhalte des Masters beruflich in Forschungsprojekten direkt umzusetzen. Auch die Begeisterung für die Wissenschaft wurde durch den Master und den Beruf in der Forschung geweckt.

In diesen zwei Jahren habe ich einige Publikationen verfasst bzw. daran mitgearbeitet. Besonders stolz bin ich auf meine Auszeichnung mit dem „Pannonia Research Award – Junior Scientist 2020“, welche ich durch die Einreichung eines im Studium entwickelten Konzepts, bekommen habe. Nachdem ich mein Masterarbeitsexpose in ein sogenanntes „Work in Progress“-Paper gepackt habe, versuche ich aktuell aus meiner Masterarbeit ein Full Paper zu erstellen. Obwohl ich nach meinem Abschluss nicht mehr Studentin an der FH Burgenland bin, bekomme ich dennoch Unterstützung vom Studiengangsleiter Igor Ivkic in diesem Prozess.

Patrizia SailerAbsolventin

Patrizia betont ebenfalls, dass sie solch eine Betreuung schon während ihrer Studienzeit sehr geschätzt hat. Neben den positiven Seiten des Studiums, beäugte sie die hohe Anzahl an männlichen Vortragenden jedoch kritisch. Dieser Umstand spornte sie an, selbst Lektorin in der IT zu werden. Ihren ersten Lehrauftrag hat sie im Bachelorstudiengang Angewandte Elektronik und Photonik an der FH Burgenland unterzeichnet. Dazu sagt sie: „Heutzutage kann man nicht mehr ausschließlich von einer Männerdomäne sprechen, wenn es um IT geht. Die Anzahl der Frauen steigt, wenn auch nur langsam, an. Daher ist mein Rat an Frauen, die sich für eine Karriere im IT Bereich interessieren, sich nicht entmutigen zu lassen. Technisches Können und Verständnis hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Es ist wichtig, dass Frauen in dieser Hinsicht „ihr Ding durchziehen“. Wenn ich an die ersten Reaktionen meiner Mutter denke, die sich große Sorgen wegen der technischen Ausbildung machte und meinte ich werde nie einen Job in dieser Männerdomäne bekommen, muss ich knapp sieben Jahren nach meiner Entscheidung in die IT zu gehen noch immer schmunzeln.“